Thesen für mehr Gerechtigkeit

Die Bewegung Maria 2.0 und die KFD haben den Bischöfen zur Vollversammlung „was an die Tür gehängt“

Laila Vannahme (l.) und Marie- Theres Jung beim symbolischen Thesenanschlag. (c) Andrea Thomas
Laila Vannahme (l.) und Marie- Theres Jung beim symbolischen Thesenanschlag.
Datum:
Di. 23. Feb. 2021
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 08/2021 | Andrea Thomas

Die Zeit ist reif für Veränderungen innerhalb der Kirche. Aus diesem Grund traten bundesweit Vertreterinnen und Vertreter der Bewegung Maria 2.0 und der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands in die Fußstapfen von Martin Luther. Auch im Bistum Aachen.

Dass Martin Luther vor mehr als 500 Jahren seine Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt hat, ist wohl nur eine Legende – dass es ihm um Veränderung in der Kirche ging, dagegen nicht. Seine Forderungen von damals haben kirchlich einiges in Bewegung gebracht und auch die katholische Kirche nachhaltig und zum Positiven verändert. Das ist auch das Anliegen der KFD und von Maria 2.0, die sich mit ihrer Aktion im Vorfeld der virtuellen Vollversammlung der deutschen Bischöfe vom 23. bis 25. Februar daher nicht umsonst an ihm orientierten.

In ganz Deutschland schlugen sie am Wochenende davor ihre sieben Thesen und Forderungen für eine geschlechtergerechte und zukunftsfähige Kirche an die Türen von Kirchen und Bischofskirchen. Auch im Bistum Aachen beteiligten sich der Diözesanverband der KFD und Unterstützerinnen und Unterstützer von Maria 2.0 an der Aktion. Hammer und Nägel kamen dabei selbstverständlich nur symbolisch zum Einsatz. Aus Respekt vor dem Weltkulturerbe Aachener Dom befestigten sie ihre Thesenplakate mit Klebeband am Domportal und mit Kabelbindern am Zaun.

Was der Nachdrücklichkeit der Aktion keinen Abbruch tat, im Gegenteil. Geht es den Akteuren dabei doch nicht darum, die Kirche zu beschädigen, sondern die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, was sie braucht, um auch in Zukunft bestehen zu können: „KFD und Maria 2.0 wollen eine erneute Spaltung der Kirche verhindern. Wir wollen, dass die Deutsche Bischofskonferenz endlich beginnt, sich mit den notwendigen Reformen in der katholischen Kirche auseinanderzusetzen. Und wir erwarten, dass sie den Willen zu Veränderungen durch Taten bezeugt, in dem sie sich ernsthaft dafür im Synodalen Weg und in Rom einsetzt“, sagte Marie-Theres Jung, Vorsitzende des KFD-Diözesanverbands Aachen.

 

Hoffen auf mutige Bischöfe

Einen wichtigen Schritt dazu könnten die deutschen Bischöfe tun, wenn sie zur Vollversammlung an ihren Rechnern in den Bischofshäusern sitzend zusammenkämen. Marie-Theres Jung und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter hoffen dabei auf das, „was auf diözesaner Ebene möglich ist“, und auf „mutige Bischöfe“. Als „Mutmacher“ bekamen die daher „was an die Türe“.

Die sieben Thesen, die sich „an alle Menschen, die guten Willens sind“, richten, prangern unter anderem Klerikalismus, Machtmissbrauch, Prunk und eine lebensfremde Einstellung zur Sexualität an. „Wir verlangen den Zugang für alle Menschen zu allen Ämtern sowie die Aufklärung, Verfolgung und Bekämpfung der Ursachen von sexualisierter Gewalt. Wir fordern eine wertschätzende Haltung der Kirche gegenüber selbstbestimmter, achtsamer Sexualität sowie die Aufhebung des Pflichtzölibats“, heißt es in der Erklärung zur Aktion.

Die Thesen üben Kritik und mahnen Missstände an, doch sie zeichnen auch das Bild einer Kirche, wie Gläubige (und viele Kirchenvertreter) sie sich wünschen: eine gerechte Kirche, in der alle einen gemeinsamen Sendungsauftrag haben, die glaubwürdig ist, geprägt durch respektvollen Umgang und Transparenz, die bunt, vielfältig und lebensnah ist, verantwortungsvoll und nachhaltig wirtschaftet und im Sinne Jesu Christi relevant ist für Menschen, Gesellschaft und Umwelt. Nicht irgendwann, sondern in naher Zukunft, sonst, so fürchten die Initiatorinnen, seien viele Gläubige bald weg.  ath

Die Thesen Maria 2.0 sind im Wortlaut nachzulesen unter www.kfd-aachen.de .